Neuer Einsatzleitwagen beschafft


Feuerwehr tauschte Kommunikationsfahrzeug nach 18 Jahren aus


Foto: Truckenmueller

Seit Ende letzten Jahres hat die Feuerwehr Düsseldorf ein neues Einsatzleitfahrzeug (ELW) in Betrieb genommen. Der neue „ELW3“ kommt bei großen Schadenslagen zum Einsatz, um die eingesetzten Kräfte vor Ort koordinieren zu können. Das Führungsfahrzeug dient als Schnittstelle zur Leitstelle der Feuerwehr und wurde mit modernster Kommunikationstechnik ausgestattet. Es ist so konzipiert, dass zukunftssicher auch vernetzte Führung zwischen den verschiedenen Führungsebenen und -fahrzeugen und der Leitstelle möglich wird. Er ist ein Ersatz für den in die Jahre gekommenen Einsatzleitwagen „ELW 2“ aus dem Jahr 1993. Dieser dient weiter als Reservefahrzeug und ersetzt ein Fahrzeug aus dem Jahr 1987, das bereits im letzten Jahr an das Deutsche Rote Kreuz abgegeben wurde.

 

Foto: Truckenmueller

Das neue Fahrzeug ist eine Spezialanfertigung nach Vorgaben der Feuerwehr Düsseldorf. „Führungsfahrzeuge dieser Größenordnung können nicht aus dem Katalog bestellt werden. Zu spezifisch sind die Anforderungen an die Digitalfunktechnologie, dem Parallelbetrieb von Analog- und Digitalfunkverkehr, den Kommunikationswegen und der Schnittstelle zur Anbindung der Einsatzleitwagen „ELW 1“ der Feuerwachen, die der Einsatzleitwagen erfüllen muss“, sagt die Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies. Dennoch ist der Wagen in jeder Hinsicht unter den notwendigen Anforderungen ein einziger Superlativ: 19,5 Tonnen Leergewicht verteilen sich auf eine Länge von 10,59 Metern und 2,53 Meter Breite. Insgesamt 16 Antennen auf dem Dach garantieren Kommunikation auf allen denkbaren Wegen. Auch der Digitalfunk wurde im Fahrzeug eingebaut, um auch am seit Januar laufenden Probebetrieb bereits teilnehmen zu können. In vier klimatisierten Einbauschränken ist die für die Leitung größerer Einsätze notwendige Technik installiert. Diese wird von drei vollwertigen EDV-Arbeitsplätzen mit jeweils vier 21-Zoll-Bildschirmen sowie ein Touchscreenmonitor und einem Not-Arbeitsplatz mit Informationen gefüttert. Im hinteren Bereich des Fahrzeuges lässt sich ein Modul bis zu zwei Meter freitragend herausfahren, um den Innenraum des Fahrzeuges deutlich zu vergrößern. Bis zu 17 Personen finden dann gleichzeitig im Fahrzeugraum Platz.

 

Foto: Truckenmueller

Zwei Generatoren mit einer Leistung von 24 Kilowatt und 50 Kilowatt garantieren die unterbrechungsfreie Leistungsfähigkeit der mobilen Einsatzzentrale, bei Bedarf und Notwendigkeit über mehrere Tage. „Mit dieser Ausstattung könnten wir innerhalb weniger Minuten an jedem Ort der Stadt unsere Leitstelle sinnvoll unterstützen und Einsätze am Ort des Geschehens leiten.“, so der Projektleiter Oliver Lang. Mit den beiden Herstellerfirmen arbeitete er nach der Ausschreibung in der konkreten Feinplanung eng zusammen und konnte die Bedürfnisse und Anforderungen der Düsseldorfer Feuerwehr umsetzen. „Die Feuerwehr Düsseldorf hat die Einsatzerfahrung aus mehreren Jahrzehnten mit in dieses Fahrzeug gesteckt“ so der leitende Branddirektor Peter Albers. Eine Herausforderung: „Die vielschichtige Technik aufeinander abzustimmen und die Raumaufteilung dennoch optimal zu gestalten, sind das Ergebnis einer durchdachten Planung“, fährt Albers fort. Von der technischen Ausstattung her sind vergleichbare Einsatzleitfahrzeuge anderer Großstadtfeuerwehren deutlich größer. Die Aufgabe war daher immens: „Es beginnt mit Anforderungen, über die man sich zunächst einmal gar keine großen Gedanken machen würde – das Fahrzeug muss zum Beispiel in die Fahrzeughalle passen. Also waren Fahrzeughöhe- und -länge von Beginn an begrenzt.“ so der Projektleiter, Diplom Ingenieur Oliver Lang. Aber auch die Menge an Technik unterzubringen, bereitete große Anstrengungen: 1,9 Tonnen Technik und fast zehn Kilometer Kabel sorgen für elektromagnetische Felder. Diese auf engstem Raum so zu verlegen und abzuschirmen, dass es nicht zu Störungen der Kommunikations-Technik kommt, war eine zusätzliche Aufgabe.

Die Notwendigkeit für Fahrzeuge dieser Art zeigte nicht nur der Flughafenbrand im April 1996, sondern auch der Großbrand in der Fortin-Mühle im Düsseldorfer Hafen am 15. September 2011. Eine koordinierende Schnittstelle zwischen der Leitstelle und den operierenden Kräften vor Ort ist unverzichtbar. „Großschadenslagen sind nicht planbar und immer eine besondere Herausforderung an Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz. Wir wollen unseren Mitarbeitern die Gewissheit geben, dass auf Verwaltung und Rat mit seinen politischen Gremien Verlass ist. Die Feuerwehr muss mit modernster verfügbarer Technik ausgestattet werden, um den Menschen in dieser Stadt in jeder Gefahrensituation angemessen helfen zu können, ohne dabei das Budget aus den Augen zu verlieren.“ so Dezernentin Helga Stulgies. Dies ist mit dem neuen ELW-3 in jeder Hinsicht gelungen. Trotz der umfangreichen Ausstattung legt die Dezernentin Wert auf die Feststellung, dass es sich bei dem neuen Fahrzeug keineswegs um ein Luxusfahrzeug handelt. „Der Begriff „Spezialanfertigung“ täuscht in diesem Fall. Wir haben sehr genau darauf geachtet, was wir als notwendig und funktional erachten – und was nicht.“ So wurden viele infrage kommende Module nicht eingebaut und der Preis für das Fahrzeug deshalb deutlich reduziert. Die Anschaffungskosten von rund 1,5 Millionen Euro liegen rund 500.000 Euro unter dem, was zu Beginn der Planungsphase 2005 für das Fahrzeug veranschlagt wurde.


 

Technische Fahrzeugdaten

Funkrufname: Florian Düsseldorf 01-13-01 (künftig 01-ELW3–01)
Fahrgestell: Mercedes Benz Axor 2529 L-NR
Motor: Dieselmotor mit 210 kW (286 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Länge: 10.590 mm
Breite: 2.530 mm
Höhe: 3.390 mm
Leergewicht: 19.415 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 25.000 kg
Besatzung: Drei Mann
Aufbauhersteller: Jumbo Infomobile GmbH, Jülich
Kommunikationstechnik: Selectric Nachrichten-Systeme GmbH, Münster
Baujahr: 2011


Fahrzeugtechnische Ausstattung

  • Luftfederung
  • Antiblockiersystem (ABS)
  • Antischlupfregelung (ASR)
  • Schleuderketten (festverbaute Schneeketten)
  • Standheizung
  • Rückfahrkamera
  • Navigationssystem


Feuerwehrtechnische Ausstattung

  • Heckstaukoffer und gleichzeitig Podest zur einfachen Antennenmontage
  • LED Rückwärtswarnsystem
  • LED Sondersignalanlage
  • Wetterstation auf Antennenmast
  • Raum-Klimaanlage (Heizen, Kühlen und Entfeuchten)
  • Technik-Klimaanlage
  • Generator mit 50 kW über Nebenantrieb des Fahrzeugmotors
  • Autarker Generator mit 24 kW (Dieselmotor)
  • Hydraulisch ausfahrbares Ausschubmodul (Raumerweiterung)
  • Türgegensprechanlage zur Zutrittskontrolle
  • Wetterschutzmarkise
  • Besprechungsraumkapazität für 17 Personen
  • Drei vollwertige EDV-Arbeitsplätze
  • Ein Kommunikations-Not-Arbeitsplatz
  • Umfangreiche analoge und digitale Kommunikationsausstattung
  • Acht GSM-Telefone
  • Zwei GSM-Faxkarten
  • Satellitentelefonie
  • Multimediaausstattung: Beamer, Plasma Bildschirme, Radio und TV, Videomatrix, Magnettafelsystem
  • Zwei Heckantennenmasten, jeweils zehn Meter hoch
  • Mesh-WLAN Ausstattung für zukünftige automatische Vernetzung der Führungsfahrzeuge
  • Kommunikation über insgesamt 16 Antennen (UMTS, Radio/GPS/GSM, SAT, 4-Meter-Funk, 2-Meter-Funk, Tetranetz, DCF-77, DVB-T, Mesh-WLAN und Wärmebildkamera)
  • Vier klimatisierte 19“ Modul-Technikschränke


Zusatzbeladung

  • Faltfahrrad
  • Beleuchtungs- und Absperrmaterial
  • Büromaterial
  • Persönliche Schutzausrüstung für Besatzung
  • Tischerweiterungsplatte mit vier Stühlen